YOGA RETREATS

Yogaweekend im Appenzell

Freitag

Der erste Monat des Jahres ist schon um. Es ist Freitagnachmittag und ich sitze im Zug nach St. Gallen, wo ich in die Appenzeller Bahn umsteigen werde um nach Trogen zu gelangen. Der Zug ist proppenvoll, die einen Reisenden genervt, ab der Gruppe junger Männer, die in München einen Junggesellenabschied feiern wollen, die anderen sitzen entspannt im Zug mit Blick aus dem Fenster oder ins Buch. Und dann sitze da noch ich. Gespannt, was ich neues aus an Yogainspirationen mitnehmen werde und mit welchen positiven Grundsätze ich mein 2017 gestalten möchte.

Spätestens während der Zugfahrt  von St. Gallen nach Trogen fallen die letzten Alltagsgedanken von mir ab und ich geniesse den Ausblick in die hügelige und liebliche Appenzeller Landschaft. Da und dort lässt sich noch ein letzter Flecken Schnee erblicken, der noch nicht den Sonnenstrahlen verfallen ist.

 

In Trogen angekommen stehen fünf total unterschiedliche Frauen an der Rezeption des Bildungs- und Seminarhauses Lindenbühl, darunter auch eine Namensvetterin. Freudig und gespannt steigen wir die Treppen zu unseren Zimmer hoch. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet und ein Teil dieses charmanten und mit viel Herzblut eingerichteten Hauses.

Aus der Küche strömt bereits nachmittags um drei ein leckerer Duft in den Hausflur. Ich kann bereits erahnen wie köstlich die „Gault Mieux“ Gerichte die kommenden Tage schmecken werden. Was für eine Freude!  Aber bevor vegetarisch geschlemmt werden darf, widmen wir uns  anderweitig unserem Wohl – mit Yoga.

 

Natalie empfängt uns  wortwörtlich mit offenen Armen und begrüsst uns mit einer herzlichen Umarmung. Jede Teilnehmerin sowie ein Teilnehmer kennen Natalie schon länger, teils auch durch die Krebsliga, und man spürt die Vertrautheit im Raum. Dies führt auch gleich zu einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre untereinander. Jeder Yogini im Raum ist aus einem anderen Beweggrund hier und doch sind wir alle in einem Raum und können gemeinsam Viniyoga ausüben. Seinen Fähigkeiten entsprechend und seine Möglichkeiten respektierend werden die passenden Übungen des Yoga ausgewählt und in sinnvollen Schritten vermittelt.

 

 

Zu Beginn der Yogapraxis bittet uns Natalie die Frage aufzuschreiben, was uns beschäftigt und mit welchem Gefühl wir nach Trogen
gereist sind. Am Ende des Yogawochenendes werden wir die  Fragen nochmals anschauen und sie mit grosser Wahrscheinlichkeit aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Anfang Jahr ist ja bekanntlich der Zeitpukt, wo wir unsere Herzensprojekte in Angriff nehmen,  Altes loslassen, Platz für Neues schaffen und Muster brechen wollen.
Um all diese Ideen und Pläne umsetzen zu können brauchen wir ein stabiles Fundament, sprich wir sollten geerdet sein. Dazu helfen uns die ersten drei Chakren im Yoga. Das erste Chakra ist das Muladhara – das Wurzelchakra. Das zweite Chakra, Svadhisthana, ist das Sakralchakra und das Folgende, Manipuri, das Solarplexuschakra. Diese drei Chakren werden mit den Farben rot, orange und gelb visuell dargestellt.  Beim meistern der acht Stufen im Yoga bringen wir uns mit diesen subtilen Körpern ins Gleichgewicht.  Die Chakren wirken auf den subtilen und den physischen Körper, wandeln die subtile Energie in physischeum und umgekehrt. Unterstützend durch  die Asana Praxis mit Gleichgewichtsposen und kräftigende Bauchmuskelübungen „erden“ wir uns. Zum Abschluss der 90-minütigen Praxis liest uns Natalie eine Geschichte von zwei Wölfen vor – einem Weissen und einem Schwarzen. Der schwarze Wolf knurrt, ist rachsüchtig und gierig. Der weisse Wolf aber ist sanft, gütig und weise. Die Quintessenz der Geschichte ist, dass es darauf ankommt welchen Wolf in uns  wir füttern – von Vorteil den weissen. Mehr solch anregende Kurzgeschichten gibt es im Buch „Füttere den weissen Wolf„.

Nach diesem ersten Einstimmen ins Yogawochenende begeben wir uns in den Speisesaal, wo schon liebevoll angerichtet die drei Gänge auf dem Buffet stehen. Bevor wir die leckeren Speisen, wie Salat, Randenragout und Quinoa Burger mit Gemüse auf unsere Teller schöpfen, erzählt uns Angela die Geschichte des Hauses. Das Haus wurde von  der Familie Zellweger erbaut und es weilte einst kein geringerer als  der Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant, in einem der Zimmer. Heute ist das Seminar- und Ferienhaus Lindenbühl eine Genossenschaft.

Beim Abendessen werden untereinander Interessen ausgetauscht sowie erste Kontakte und Verbindungen geknüpft. Da ich schon seit Jugendjahren ein Faible für Literatur habe (die, die meinen Blog regelmässig lesen, haben es schon bemerkt ;-)), hüpft mein Herz gleich ein paar Takte schneller, als ich erfahre, dass sich eine renommierte Schweizer Schriftstellerin in unseren Reihen befindet. Gebannt höre ich ihr zu als sie von ihrem literarischen Schaffen und ihrer bewegenden Biographie erzählt.

Nach diesen kurzweiligen Tischgesprächen lassen wir  den Abend mit einer herrlich entspannenden Yoga Nidra Praxis ausklingen, sodass ich unter dem Sternenhimmel an meiner Zimmerdecke wohlig einschlafe.

Samstag

Der Samstagmorgen könnte nicht besser starten. Bereits um 7.30h stehen wir wortwörtlich auf der Matte. Die Dehn- und Streckübungen sind am frühen Morgen eine richtige Wohltat. Sie vitalisieren, wärmen und machen uns richtig wach.  Den Abschluss der morgendlichen Yogapraxis finden wir in einer Wechselatmung, Anuloma Viloma, oder auch Nadi Shodhana genannt.

Auf eine Tasse Kaffee kann ich nach der Yogapraxis nicht ganz verzichten. Dazu gibt es frisch gebackenes Frühstücksbrot, welches noch lauwarm ist als ich  hineinbeisse. Dazu die selbstgemachte Marmelade und den Yoghurt mit Äpfeln, einfach himmlisch.

Den zweiten Teil der Yogapraxis widmen wir den Yogasutren von Patanjali und der Theorie zur Meditation. Mittels Flipchart versucht uns Natalie die Prozesse, Wege und Ziele verständlich zu erklären. Um es auf den Punkt zu bringen;  es liegt noch ein langer Weg vor mir.  Um den Worten auch Taten Folge zu leisten, begeben wir uns in eine 20-minütige Meditation, die durch die beruhigenden Klangschalenklänge untermalt wird. Davor aktivieren wir unsere neurolymphatischen Punkte mit einer Massage. Die Massage dient dem Stoffelwechsel und regt somit die Entgiftung an.

Nach der leckeren Suppe mit der ofenfrischen Foccacia zum Mittagessen bin ich für einen Spaziergang auf die Hügelkette hinter
dem Haus gestärkt. Mit den wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht mache ich mich auf eine kleine Entdeckungsrunde. Passend zum Thema, „welchen Weg wir im 2017 einschlagen wollen“, treffe ich auf eine Bank mit einem Wegweiser. Gehe ich nun links oder rechts entlang? Ich entscheide mich für links und steige den Hügel hoch. Oben angekommen werde ich mit einem wunderschönen Ausblick, der bis zum Bodensee und die Alpen reicht, belohnt. Frische Luft, Ruhe und Weitblick. Glückseligkeit!

Zurück im Lindenbühl freue ich mich auf eine weitere Yogapraxis vor dem Nachtessen. Ich komme langsam richtig in einen „Flow“ und ich merke, wie ich von Mal zu Mal dehnbarer werde und ich mich gezielt auf eine saubere Ausführung der Asanas konzentrieren kann. Es ist ein unbeschreiblich tolles Gefühl, wenn Körper, Geist und Atem eins sind und alles  fliesst. Da fühlt man sich stark und geschmeidig zu gleich. Durch die gezielten und hilfreichen Anleitungen von Natalie kann man oft die Augen geschlossen halten und sich voll und ganz nach Innen fokussieren.

Beim Abendessen ist der Fokus nach innen wie nach aussen gerichtet und es raunt ein einstimmiges „mhhhhhhh“ durch den Speisesaal, als wir von dem  warmen Rüeblisalat mit gebrannten Mandelblättchen und Feta kosten. Und spätestens beim Dessert, wo wir in die luftigen Windbeuteln beissen, leuchten die Augen und Kindheitserinnerungen kommen hoch.

Wir werden richtig gehend verwöhnt und der krönende Abschluss des Tages findet sich einmal mehr im Yoga Nidra. Natalie führt uns mit ihrer angenehm klingenden Stimme durch unsere wohlgenährten und schläfrigen Körper.

Sonntag

Auch wenn heute Sonntag ist, gibt es keinen Grund lange in den Federn zu liegen. Pünktlich um 7.30h recken und strecken wir unsere Glieder und starten die letzte Yogapraxis für dieses Wochenende. Ich kann noch ein letztes Mal so richtig in die Übungen eintauchen! Bevor wir die Zimmer abgeben müssen, geniessen wir noch den frischen Sonntagszopf.  Anschliessend sitzen wir auf den gepackten Koffern (nicht ganz wörtlich zu nehmen ;-)) im Bibliotheksraum des Hauses.

Der rot-organgene Kachelofen ist ein wahrer Hingucker. Die Bibliothek ist klein und fein. Zuoberst auf dem Bücherregal steht das Buch – „Change your Focus“. Irgendwie passend zum Yogawochenende, wie ich finde. Gemütlich setze ich mich in einen der Sessel und lese ein paar Seiten im Buch „Die Yogaweisheiten des Patanjali für Menschen von heute„, während die anderen Damen schicke und farbenfrohe Pullunder, Schals, etc. stricken oder wie ich lesen.

Vor dem Mittag befassen wir uns noch einmal mit den Yogasutren und was uns im Leben Sicherheit gibt. Worauf wir vertrauen können. Zudem zeigt uns Natalie, wie wir die Yogapraxis in den eigenen vier Wänden gestalten können. Der gute Vorsatz ist bei allen da. Der Alltag wird es zeigen 😉

 

 

 

 

Beim Mittagessen spürt man langsam die Aufbruchstimmung. Das „grande finale“ liegt jedoch noch vor uns –  ein Klangbad und mit Klangmassage. Wir legen uns kreisförmig hin und in der Mitte steht Natalie um ihre Klangschalen. Ich spüre, wie die Schwingungen von den Füssen den Körper hoch steigen. Zum Schluss legt uns Natalie die Herzschale auf die Brust. Sie schlägt die Schale drei Mal an. Die Schwingungen „kitzeln“ bis in die Fingerspitzen. Ein sehr schöner Ausklang.

Bevor sich die Gruppe langsam auflöst wird ein kurzes Résumée gezogen.

Meine Erkenntnis: Ich bin unendlich dankbar für meine Gesundheit und mir wurde einmal mehr bewusst, dass man das Leben im „Jetzt“ geniessen soll.

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